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Was der tanzende Derwisch bedeutet

Der tanzende Derwisch ist ein Mevlevi-Sufi im Gebet. Die Drehung, Sema genannt, ist eine Form des Gottesgedenkens. Der Derwisch dreht sich gegen den Uhrzeigersinn um sein eigenes Herz, die rechte Handfläche erhoben, um zu empfangen, die linke gesenkt, um weiterzugeben, gekleidet in Hut und Gewänder, die für den Grabstein, das Leichentuch und das Grab des Egos stehen.

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Ein tanzender Derwisch mit weit geöffneten Armen, die rechte Handfläche nach oben, die linke nach unten, im Zeremoniensaal von Kasımpaşa
Die rechte Handfläche nach oben, um zu empfangen, die linke nach unten, um weiterzugeben.

Ein Derwisch ist Mitglied eines Sufi-Ordens, ein Anhänger des mystischen Weges im Islam. Die tanzenden Derwische gehören einem bestimmten Orden an, den Mevlevi, die nach dem Tod des Dichters Dschalal ad-Din Rumi 1273 in Konya gegründet wurden. Ihr Ritual ist die Sema, ein türkisches Wort vom arabischen samāʿ, „Hören“. Die Drehung ist der Teil, den alle kennen, aber die Sema beginnt mit dem Hören: auf eine Hymne, auf die Rohrflöte, auf die Stille.

Nichts daran ist Dekoration. Die Kleidung, die Gesten, die Drehrichtung und die Abfolge der Musik tragen jeweils eine Bedeutung, die die Mevlevi seit mehr als sieben Jahrhunderten lehren. Was folgt, ist diese Lehre, so wie die Konvente sie weitergeben. Einzelne Derwische werden Ihnen sagen, dass sich die Bedeutung mit der Praxis vertieft.

Die Drehung

Der Derwisch dreht sich gegen den Uhrzeigersinn, von rechts nach links, um sein eigenes Herz. Er dreht sich auf dem linken Fuß und stößt sich mit dem rechten ab, und während sich jeder einzelne dreht, bewegt sich auch der ganze Kreis der Derwische langsam durch den Saal. Die Mevlevi-Lehre vergleicht das mit allem anderen in der Schöpfung, das sich dreht: dem Blut im Körper, den Planeten um die Sonne, den Pilgern um die Kaaba in Mekka.

Das Ziel ist nicht Ekstase. Achten Sie auf die Gesichter: Sie sind ruhig, die Augen halb geschlossen, der Kopf leicht zur Seite geneigt. Die Drehung ist eine Art, einen einzigen Gedanken, das Gedenken an Gott, mit dem ganzen Körper festzuhalten. In der Sprache der Sufis ist sie eine Form des Dhikr.

Die Hände

Zu Beginn jeder Drehung sind die Arme des Derwischs vor der Brust gekreuzt, die Hände auf den Schultern. Die Tradition deutet diese Haltung als die Form der Ziffer Eins: ein Zeugnis, dass Gott einer ist. Wenn er sich zu drehen beginnt, öffnen sich die Arme. Die rechte Handfläche zeigt nach oben, zum Himmel, um zu empfangen. Die linke Handfläche zeigt nach unten, zur Erde, um das Empfangene weiterzugeben. Der Derwisch behält nichts für sich.

Vier Derwische in Weiß verneigen sich in einer Reihe im Zeremoniensaal von Kasımpaşa, ihnen gegenüber steht eine Gestalt in schwarzem Umhang
Die Derwische verneigen sich nacheinander, bevor sie sich zu drehen beginnen.

Hut und Gewänder

Jedes Stück der Kleidung des Derwischs steht für den Tod, denn in der Sema geht es um den Tod des Selbst, das zwischen einem Menschen und Gott steht.

  • Die Sikke, der hohe Hut aus Kamelhaarfilz, ist der Grabstein des Egos.
  • Die Tennure, der weiße Rock, der sich beim Drehen zu einer Scheibe öffnet, ist das Leichentuch.
  • Die Hırka, der schwarze Umhang, der zu Beginn über allem getragen wird, ist das Grab. Die Derwische lassen sie fallen, bevor sie sich drehen: Sie lassen das Grab hinter sich, um in die Wahrheit geboren zu werden.

Das ganze Vokabular der Kleidung finden Sie auf der Seite Hut und Gewand.

Die vier Grüße

Die Drehung erfolgt in vier Teilen, den Selams oder Grüßen. Dazwischen halten die Derwische inne, kreuzen wieder die Arme und verneigen sich. Die Mevlevi-Lehre deutet die vier als Stufen der Reise einer Seele:

  1. Die Geburt der Erkenntnis: Der Mensch erkennt Gott als Schöpfer und sich selbst als Geschöpf.
  2. Staunen: Verzückung über die Ordnung und Pracht der Schöpfung.
  3. Liebe: Das Staunen wird zu Liebe, und das Selbst löst sich darin auf. Das ist die Stufe, die Sufis fanā nennen, das Entwerden.
  4. Rückkehr: Nach vollendeter Reise kehrt der Derwisch an seinen Platz in der Welt zurück, um zu leben und zu dienen.

Die Zeremonie endet dann mit einer Koranrezitation und einem Gebet. Niemand applaudiert. In einem aktiven Konvent sitzen die Besucher die letzten Minuten in derselben Stille wie die Derwische.

Die Musik

Die Sema wird zu Live-Musik aufgeführt, und auch jedes Instrument hat seine Bedeutung. Die Ney, die Rohrflöte, ist die Stimme der Seele. Mit ihr eröffnet Rumi sein großes Gedicht, das Masnavi, in Nicholsons englischer Übersetzung von 1926: „Listen to the reed how it tells a tale, complaining of separations“ („Höre auf die Rohrflöte, wie sie eine Geschichte erzählt und über Trennungen klagt“). Aus dem Röhricht geschnitten, sehnt sich die Ney nach der Rückkehr, wie sich die Seele nach ihrem Ursprung sehnt. Der Schlag der Kudüm, des Paars kleiner Kesseltrommeln, wird oft als der göttliche Befehl „Sei!“ gedeutet, mit dem die Schöpfung begann.

Der Scheich und das rote Post

Der Scheich leitet das Ritual, statt es aufzuführen. Sein Platz ist ein rotes Schaffell, das Post, das ihn als Rumis Stellvertreter im Saal ausweist. Die Derwische verneigen sich davor, wenn sie vorbeigehen. Sein Rot wird traditionell mit dem Sonnenuntergang am Abend von Rumis Tod verbunden, dem 17. Dezember 1273, einer Nacht, die die Mevlevi Şeb-i Arus nennen, die Hochzeitsnacht.

Ritual oder Show?

Die Bedeutung oben ist das, was Sie in einem aktiven Mevlevi-Konvent wie dem Kasımpaşa Mevlevihanesi in Istanbul sehen, wo die Sema als Gottesdienst abgehalten wird und Besucher zugelassen sind. Viele Abende, die in der Stadt an Touristen verkauft werden, sind inszenierte Fassungen davon. Sie sind oft gut gemacht, aber der Unterschied ist manchen Menschen wichtig. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie unter Show oder Zeremonie.

Häufige Fragen

Was symbolisiert der tanzende Derwisch?
Die Drehung ist eine Form des Gottesgedenkens. Nach der Tradition der Mevlevi dreht sich der Derwisch, wie sich alles in der Schöpfung dreht, empfängt mit der erhobenen rechten Hand, gibt mit der gesenkten linken weiter und entleert sich dabei vom Ego.
Warum heben Derwische eine Hand und senken die andere?
Die rechte Handfläche zeigt nach oben, um von Gott zu empfangen, die linke nach unten, um es an die Welt weiterzugeben. Der Derwisch behält nichts für sich; er ist der Kanal zwischen beiden.
In welche Richtung drehen sich tanzende Derwische?
Gegen den Uhrzeigersinn, von rechts nach links, um das Herz, mit dem linken Fuß als Drehpunkt.
Was sind die vier Grüße?
Die vier Selams oder Grüße der Zeremonie sind vier getrennte Drehphasen. Die Mevlevi-Lehre deutet sie als Stufen der Seele: Gott als Schöpfer erkennen, Staunen über die Schöpfung, das Auflösen des Selbst in der Liebe und die Rückkehr in die Welt, um zu dienen.
Ist die Derwisch-Zeremonie eine Aufführung?
In einem aktiven Konvent ist sie Gottesdienst, eine Form des Dhikr, des Gottesgedenkens. Besucher dürfen still zusehen. Inszenierte Fassungen in Theatern und Restaurants ahmen ihre Form nach.

Quellen